Handgeschriebene Rezepte digitalisieren: vier Wege im Vergleich
Handgeschriebene Rezepte verblassen, bekommen Flecken und gehen verloren. Hier sind die vier Wege, sie auf den Bildschirm zu bringen, was jeder an Zeit kostet und wie du eine Seite so fotografierst, dass sie in 30 Jahren noch lesbar ist.
Bevor du anfängst: was «digitalisiert» heissen sollte
Ein Foto auf dem Handy ist ein Anfang, aber noch kein Rezept, das du durchsuchen, umrechnen oder teilen kannst. Ein gutes Ergebnis hat drei Dinge:
- Der Text als Text: Titel, Zutaten mit Mengen und Arbeitsschritte, damit du nach «Rhabarber» suchst und den Kuchen findest.
- Die Originalseite: Die Handschrift gehört zum Rezept und ist später die einzige Möglichkeit, eine Menge nachzuprüfen.
- Ein sicherer Ort: nicht ein einzelnes Handy, sondern ein Speicher mit Backup, aus dem du alles exportieren kannst.
Die vier Wege im Vergleich
| Methode | Zeit pro Rezept | Durchsuchbar | Original bleibt |
|---|---|---|---|
| Nur Fotos oder Scans | unter einer Minute | nein | ja |
| Abtippen | 10–20 Minuten | ja | nur wenn du es zusätzlich fotografierst |
| Texterkennung (OCR-App) | 5–10 Minuten mit Korrekturen | ja | meist nicht |
| Rezept-App mit KI wie Kladde | 1–2 Minuten zum Prüfen | ja | ja |
1. Nur Fotos oder Scans
Schnell und besser als nichts: Die Seite ist sicher vor Kaffee und Umzügen. Aber ein Foto kannst du nicht durchsuchen und nicht umrechnen, und auf dem Handy ist eine ganze Seite mühsam zum Kochen. Gut als erster Notfallschritt bei einer grossen Sammlung.
2. Abtippen
Der klassische Weg: ein Dokument oder eine Rezept-App, ein Rezept nach dem anderen. Das Ergebnis ist sauber, aber bei 10 bis 20 Minuten pro Rezept sind 150 Karten 25 bis 50 Stunden Arbeit. Die meisten Projekte enden nach dem ersten Abend. Und beim Abtippen geht die Handschrift verloren, wenn du die Seite nicht zusätzlich fotografierst.
3. Texterkennung (OCR-Apps)
Allgemeine Scanner-Apps machen aus gedrucktem Text sehr zuverlässig Text. Handschrift ist schwieriger, besonders alte Schnürlischrift, verblasste Tinte und Notizen am Rand. Und OCR liefert einen Textblock, kein Rezept: Welche Zeile eine Zutat ist und welche Zahl dazugehört, sortierst du selbst.
4. Rezept-App mit KI
Neuere Apps lesen Handschrift mit grossen KI-Modellen und verstehen, dass ein Rezept aus Zutaten, Mengen und Arbeitsschritten besteht. Genau das macht Kladde: Du fotografierst die Seite, Kladde legt das Rezept an und behält das Foto dabei. Der wichtige Unterschied zwischen solchen Apps ist, was bei unklarer Schrift passiert. Kladde erfindet nie eine Menge: Ein unklares «500 g oder 300 g?» wird markiert, und du entscheidest. Rechne mit ein bis zwei Minuten pro Rezept zum Prüfen.
So fotografierst du eine Rezeptseite
- Tageslicht, kein Blitz. Am Fenster, ohne den eigenen Schatten auf der Seite. Ein Blitz macht glänzendes Papier und Bleistift unlesbar.
- Flach und gerade. Halte das Handy parallel zur Seite. Ein Heft mit einer Hand oder einer Glasplatte flach drücken.
- Eine Seite pro Foto. Die Seite füllt das Bild; zuschneiden und gerade richten kannst du in der App.
- Vorder- und Rückseite. Viele Karten gehen hinten weiter: beide fotografieren und als ein Rezept behalten.
- Notizen zählen. Die Ränder nicht abschneiden. «Weniger Zucker!» in Omas Schrift gehört zum Rezept.
Die Originale trotzdem aufbewahren
Digitalisieren heisst nicht wegwerfen. Bewahre die Karten trocken und dunkel auf, am besten in säurefreien Hüllen oder einer Schachtel, weg vom Dampf der Küche. Die digitale Kopie ist die, aus der du kochst; das Papier ist das Erbstück.
Fang mit zehn an
Nimm dir nicht gleich die ganze Schachtel vor. Such die zehn Rezepte aus, die in der Familie am meisten gekocht werden, digitalisiere sie an einem Abend und teile sie. Meist schicken dann alle anderen ihre eigenen. Wächst die Sammlung, wird ein Buch daraus: Familienkochbuch erstellen.